Biophilia - Heilung durch Naturerfahrung - meditation und wege

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Biophilia - Heilung durch Naturerfahrung

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Auf den Begriff “Biophilia” bin ich gestoßen durch eine Buchempfehlung einer Teilnehmerin meiner Meditationskurse. Es ging um ein Buch mit dem Titel “Der Biophilia-Effekt. Heilung aus dem Wald” von Clemens Arvay. Die in dem Buch beschriebenen auch naturwissenschaftlich untersuchten Tatbestände bestätigen genau, was ich von Kindheit an schon immer geahnt habe. Jetzt weiß ich auch, warum es mich so früh aus der Stadt weg auf´s Land gezogen hatte.

Der Begriff Biophilia ist von Erich Fromms Begrifflichkeit der Lebensliebe mit Fördern der Entfaltung des Lebens abgeleitet. Bei Fromm steht er im Gegensatz zum Angezogensein und Nicht-Fördern der Lebensentfaltung, zum Angezogensein vom Starren und Toten (Nekrophilie).
Daß Leben in und mit der Natur und gemäß unseren natürlichen Instinkten nicht nur gut tut, sondern auch zur Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten führen kann, versucht Arvay in seinem Buch naturwissenschaftlich nachzuweisen. Wie erholsam ein Waldspaziergang sein kann, wissen die meisten Menschen. Arvay geht aber weit darüber hinaus und schildert unser physiologisches und psychologisches Durchdrungensein von Natur bis an einen Punkt, an dem wiedermal deutlich wird: Es gibt kein substanzielles Ego. Unser Gehirn ist höchstens eine Art Hardware, auf der die Natur und unsere Umwelt als Software laufen und sich in uns ihrer selbst bewußt werden, wobei Natur und Umwelt sogar diese Hardware, das Gehirn noch beeinflussen. Darum eben gibt es kein statisch-substantielles Ich.

Der Schlüssel ist nach Arvay das Immunsystem, das über unser Stammhirn und das limbische System in Kontakt mit der Umwelt steht. Arvay spricht deshalb nicht nur von Neuro-Immunologie oder Psycho-Neuro-Immunologie, einer neuen Wissenschaft, sondern sogar von Öko-Psycho-Neuro-Immunologie:

Wir sind so vollständig von dem durchdrungen, was scheinbar “draußen” passiert, daß man eher von einer Einheit von Natur/Umwelt-Psyche-Gehirn und Immunsystem sprechen muß. Die Natur beeinflußt direkt unsere Psyche oder auch unser Immunsystem. Alles bildet zusammen eine Einheit. Hier ist zum Beispiel an Substanzen im Wald- oder auch im Gartenboden zu denken, die wir beim Aufenthalt dort über das Immunsystem zu uns nehmen.

Aber nicht nur stofflich gibt es diese Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch. Vielmehr kann sogar schon der bloße Anblick von Natur über Stammhirn und limbisches System Psyche und Immunsystem stärken. Denn die genetischen Baupläne dieser Systeme stammen aus der Frühzeit des Lebens und des Menschen. So schalten diese beiden Hirnareale auf Ruhe und auf angenehme Gefühle, wenn wir zum Beispiel im Schatten an einem Waldrand sitzen. Denn das erinnert diese frühen Teile des Gehirns an die Sicherheit eines optimalen Verstecks bei guten Jagdmöglichkeiten, ähnlich eine Waldlichtung und savannenartige Landschaften. Das Plätschern eines Baches beruhigt, weil es auf das Vorhandensein von Trinkwasser hinweist. So gibt es viele Beispiele, die machen, daß unser Gehirn auf den Ruhemodus schaltet, sodaß das Immunsystem sich ebenso erholen und anderen, wirklich sinnvollen Aufgaben nachgehen kann.

Wie könnte nun konkret eine Psychotherapie mit Stärkung des Immunsystems und Auswirkungen auch auf körperliche Erkrankungen mit Hilfe des Biophilia-Effekts aussehen?

Ich denke an etwas Ähnliches wie zum Beispiel Musik- oder Kunsttherapie. Nur würde hier als Medium die Natur genommen anstatt Musik oder Kunst.

Diese Therapieform bestünde zuerst in einem diagnostischen Schritt und würde einen Klienten beispielsweise bitten, dem Begleiter etwas in der Natur zu zeigen, was ihm Angst macht und sich so anfühlt wie sein Problem. Vielleicht ein dunkles Waldstück. Dann wäre die Frage: Wann hatte der Klient zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, das dieses Waldstück in ihm auslöst? Und wie ist es dazu gekommen?

Sinnvoll kann aber sein, bevor der Frage nach einem möglichen Ursprungstrauma nachgegangen wird, erst mal einen sicheren Ort der Geborgenheit in der Natur zu finden, in den der Klient jederzeit sich zurückziehen könnte, wenn ihm etwas zu nahe ginge.

Der zweite Schritt wäre der eigentlich therapeutische: Der Klient soll sich in der Natur das geben, was er in der schlimmen Situation einst gebraucht hätte. Welche Formen in der Natur stehen dafür und warum? Hier darf es freilich nicht um Kompensation möglichen Leidens gehen, zum Beispiel durch Flucht in die Stille oder Naturidylle vor den Anforderungen des Lebens. Es geht vielmehr darum, das Leben im Alltag anzupacken, handlungs- und beziehungsfähig zu werden. Wenn das gefunden ist, was ein Klient sich in der Natur selbst geben kann, gilt es dieses zu übersetzen, wofür es im Alltag steht. Beispiel: Ein Baum, der den Rücken stützt. Das Gefühl, das dieser Baum auslöst, lernen, sich selbst zu geben, sich selbst den Rücken stützen.

Schließlich kann die Natur drittens wieder zur Seelenlandschaft werden, an der der Entwicklungsfortschritt des Klienten deutlich wird, wenn die einst als unangenehm erlebten Orte keine (so große) Angst mehr auslösen.

Außerdem gehören zum Thema “Therapie” natürlich die von Arvay genannten Wirkungen, die Natur direkt auf uns hat. Diese müssen passend für den jeweiligen Klienten herausgesucht und unter dessen Führung angewendet werden. Beispielsweise “Waldbaden”, Gartenarbeit, Natur nur einfach anschauen oder gar nur imaginieren, malen, dichten oder beschreiben. Unser Gehirn kann schließlich nicht zwischen real Erlebten und Imaginierten unterscheiden. Daher können Imaginationen so wirksam sein wie real Erlebtes. Ihr Vorteil ist: Der Klient hat sein Heilmittel stets bei und in sich ohne erst jedes Mal in die Natur zurück zu müssen.

Diente dies der Ich-Stärkung, kann zuletzt auch nach archetypischen Symbolen der transpersonalen Dimension des Selbst gefragt werden. Davon gibt es in der Natur viele. Man denke nur an die Raupe, die sich verpuppt, aber dann zum Schmetterling wird oder an das in der Bibel genannte Weizenkorn, das gleichsam wie tot in der Erde liegen muß, bevor aus ihm eine Pflanze wachsen kann, die viel Frucht bringt - Symbole für unseren Weg der Lebensentfaltung über das starke Ich hinaus: Das Ego mit seiner starren, harten Schale muß gleichsam sterben, bis der Trieb des Lebens durch die Schale durchbrechen und wachsen kann dem Licht entgegen. Dabei geht es darum, sich bewußt zu werden, daß wir und alles Ausdrucksform des einen Großen Lebens, des Lichts, sind. Insofern fühlt man sich in der transpersonalen Erfahrung vom Leben Selbst und seinem Quellgrund nicht mehr getrennt, ebenso nicht mehr getrennt von allem anderem, was es gibt. Daraus resultiert Liebe zu allem, was es gibt. “Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht, so beschreibt Jesus in der Bibel die Wichtigkeit des “Todes” unseres kleinen Ego.

Überhaupt verwendet Jesus viele Bilder, die der Natur entstammen, wenn er über die transpersonale Dimension spricht. Ein paar Beispiele, bei denen es um Jesu Vertrauenslehre zum Leben geht, seien genannt:
- Die Blumen auf dem Felde, die ihr Ego loslassen und nicht sorgen.
- Die Stillung des Sturms auf dem See Genezareth.
- Der Fischzug des Fischers Petrus.
- Daß Gott regnen läßt über Gerechte und Ungerechte:
Letzteres ist ein Aspekt, den Arvay in seinem Buch besonders betont: Die Natur bewertet uns nicht. Darum machen gerade Menschen, die sich selbst ablehnen, ausgegrenzt oder gar diskriminiert werden, beim Alleinsein in der Natur die Erfahrung, sich selbst annehmen zu können. Oder die Maßstäbe und die Leistungsanforderungen der Gesellschaft relativieren sich. Schon einmal draußen zu sein, weg von dem allgemein Üblichen kann helfen, zu sich selbst zu finden und zu sich zu stehen. Hier ist die Wüste ein biblisches Symbol des Rückzugs, allerdings auch der Konfrontation mit allem, was in einem ist und im Alltag unbewußt war. Nun in der Einsamkeit der Wüste oder der inneren Einsamkeit der Stille-Meditation oder in der Natur muß man sich mit sich selbst auseinander setzen, erlebt aber bedingungsloses Angenommensein , letztlich von einer tiefen tragenden inneren Stille und Ruhe, die auch aufkommende Ängste aufgrund früher Verletzungen heilen kann.

Natur hilft, die Aufmerksamkeit ohne Anstrengung wach zu halten und den Kopf zu reinigen, wenn es zur Faszination an ihr mit einem oder mehreren unserer Sinne kommt. Es muß nicht mal immer nur das faszinierte Sehen einer grandiosen Landschaft sein, das uns fesselt. Wir können das staunend-faszinierte Sehen einer Landschaft, das Hören von Vögeln, das Riechen des Waldgeruchs, das Schmecken einer Frucht, Tasten von Baumrinde zum Beispiel beim Umarmen eines Baumes in Natur-Meditationen zur Übung machen, die uns innerlich erneuert und auftanken läßt.
So ist Naturerfahrung ein gutes Mittel gegen negativen Stress, Burnout, “Zivilisationserkrankungen” jeder Art und gegen (Auto)Immunerkrankungen oder psychisch, wenn man sich von sich selbst, also von den eigenen physischen und psychischen Kräften in ihrer Gesamtheit, von den Mitmenschen, von der Natur und vom Sein an sich abgetrennt fühlt.

Vorsichtig sollte man nur sein, wenn man kein richtig ausgebildetes Ich hat, bei Suizidgefahr und akuter Psychose oder schweren körperlichen Krankheiten. Dann ist engmaschige Begleitung durch jemanden mit gewissen therapeutischen Kenntnissen nötig.
Biophilia zu üben, ist in keinem Fall Ersatz für schulmedizinische körperliche Behandlung oder für Psychotherapie. Aber als komplementär-medizinischer Ansatz kann es die Selbstheilungskräfte anregen, psychotherapeutisch unterstützend wirken und die Entfaltung auch unserer spirituellen Kräfte stärken, durch die wir uns mit allem Leben und dessen Grund als ungetrennt erfahren.

Bei mir war es als Jugendlichem der Anblick des Mondes und später des gesamten Sternenhimmels im Fernglas, der mich fasziniert und gefesselt hat. Darin hat sich meine Aufmerksamkeit erneuert, Vieles hat sich relativiert und ich begann das spirituelle Nicht-Getrenntsein von Allem und vom Großen Leben Selbst zu ahnen. Das heißt, daß ich anfing, auch meine spirituellen transpersonalen Kräfte zu entfalten, nachdem mein Ich stark genug dafür geworden war, um es los zu lassen, sodaß dieses Ungetrenntsein überhaupt erst bewußt werden konnte. Psychische Probleme waren damals noch in Fülle vorhanden. Auch deshalb haben mir vierwöchige Sommerurlaube im Odenwald mit viel Alleinsein und täglichen stundenlangen Spaziergängen immer so gut getan, solange sie noch möglich waren: Auftanken für den Rest des Jahres!

Dies möchte ich, obwohl ich jetzt trotzdem an einer Autoimmunkrankheit und ihren Folgen arbeite (mit so viel Biophilia wie möglich), nun jedem zugänglich machen und ergänzt durch andere natürliche Formen von Coaching in einem Institut mit mehreren Standorten anbieten. Dabei können schon die Gespräche bei einem Spaziergang oder im Garten sitzend stattfinden.

Eric Hahn

 
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