Monatslosung - meditation und wege

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Monatslosung

Monatslosung Mai 2019

"Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir".
Kapitel 7, Vers 22, Buch unter dem Pseudonym Samuel, Bibel.


„Gott ist einzigartig und es gibt keinen Gott außer Gott". So oder ähnlich lautet jene Sure des Koran, die den ersten Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses bildet. Hier findet sich jedenfalls eine Parallele zur Hebräischen Bibel, unserem „Alten Testament". „Testament" heißt übrigens „Bündnis". Alt ist das sog. „Alte Testament" in der christlichen Bibel nur in dem Sinn, daß es um die frühsten Schriften der Bibel geht, welche die Verbundenheit des Göttlichen mit dem Menschen spürbar machen wollen und die Verbundenheit zwischen Gott und Mensch besiegeln. Nicht daß der Mensch wieder auf andere Ideen kommt.
Denn das tut der Mensch oft. Nur allzu „gern" meinen wir, es gäbe keinen tragenden Grund. Oder wir denken, Gott sei wie eine menschliche Person, bestimmt von Ego-Gelüsten und wie ein Gewaltherrscher, dem wir hoffnungslos ausgeliefert seien. Wenn uns Schlimmes widerfährt, ist die Versuchung groß, sich Gott als einen solchen Götzen vorzustellen oder das Gefühl für einen tragenden Grund ganz zu verlieren. Doch „es gibt keinen Gott außer dir" – eigentlich logisch: Denn das, was allem Leben, auch dem Nichts, seine Existenz verleiht, kann ja nur Eines sein. Darum im Islam Allah, „der Eine" genannt. Es gibt nur ein „Leben an sich", und das ist für mich, was ich in der Sprache der westlichen Kultur „das Göttliche" oder „Gott" nenne. Es ist wie die Unterlage, auf der alles aufgezeichnet wird, auch das Schlimme, das Böse und das Nichts. Ich kann da also niemals herausfallen, was immer mir geschieht und was immer ich getan habe. Dieses Große Leben an sich, das allen kleinen Lebewesen und allem Existierenden ihr kleines Sein und Leben verleiht, steht freilich jenseits von Person oder Nicht-Person. „Es" ist notwendig viel höher ist als unser kleiner Verstand. Ich kann „Es" aber in ekstatischen und mystisch-spirituellen Erfahrungen auch als ein „Du" ansprechen, jedoch wohl wissend, daß „ES" viel mehr ist als ein „Es" oder ein „Du". In begeisterten Gebeten können von Menschen lyrische Sätze gesprochen werden, die nicht logisch oder als Dogma verstanden werden sollten. So zum Beispiel der Vers unserer Losung.
In einer tiefen spirituellen Erfahrung jenseits seines Ego und jenseits seines logischen linearen Verstandes hat der Verfasser des Losungsverses „erlebt", daß es nur „ein Leben an sich", also nur einen „Gott", nur „Allah", nur die „Leere" wie der Zen-Buddhismus sagt, geben kann und daß wir alle in allen Situationen davon getragen sind. Deshalb preist er diesen eigentlich Unaussagbaren vor Ergriffenheit wie einen Menschen, obwohl dieser Gott kein Mensch und schon gar kein Herrscher ist, der mit uns macht, was er will, obwohl wir freilich ohne „ihn" keinen Augenblick existieren würden. Das ist Inhalt jeder tiefen spirituellen Erfahrung, in welcher man die Verbundenheit, ja fast Einheit mit dem Göttlichen zu ahnen meint, weil „Es" sich in uns und in allem ausformt.
Ein solcher Vers eines Heiligen Textes ist aus tiefer spiritueller Ergriffenheit heraus gesprochen und kann uns ebenfalls in solche hinein führen. Denn wir alle haben das Potential zu solchen Erfahrungen. Und wenn nicht, so kann es uns in schwierigen Situationen zumindest Mut machen, auf die Erfahrungen anderer Menschen oder eigene aus der Vergangenheit hin zu vertrauen und uns fallen zu lassen ohne Netz und doppelten Boden. Wessen kleines Ego bricht, dem kann gegeben werden, sich staunend getragen vor und von dem Großen Leben zu erfahren, auch und gerade, wenn da keinerlei Halt mehr ist.

 
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