Monatslosung - meditation und wege

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Monatslosung

Monatslosung Mai 2018

Der Glaube ist eine feste Zuversicht für das, was man hofft, und Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Brief an die Hebräer, Kapitel 11, Vers 1, Bibel


Die tiefste spirituelle Erfahrung von Getragen- und Verbundensein miteinander und mit dem Großen Leben selbst ist nicht von Dauer. Selbst wem während langer Meditation Loslassen der Funktionen des kleinen Ich so sehr zur Haltung geworden ist, daß die Welt danach eine andere zu sein scheint als vorher, sogar der fällt im Alltag meistens nach und nach wieder heraus. In den ersten Stunden und Tagen hörte er noch die Stille zwischen den Geräuschen als Quelle aller Geräusche und spürte die Ruhe zwischen aller Bewegung und Hektik um und in sich als aller Bewegung Ursprung. Doch dann identifiziert man sich allmählich doch meist wieder mit Geräuschen,Bewegung und Hektik. Dabei geht auch die tiefe Erfahrung von Getragensein durch den Ursprung allmählich verloren. Manche halten das für schlimm. Aber es geht nicht um schöne Erfahrungen. Wichtig ist, daß und wie schnell man wieder "in die Tiefe" zurückkehren kann und sich diese Erfahrung auch bei Problemen bewährt. Nun gibt es aber eine Tiefe inneren Erlebens, die wir nicht mehr hintergehen können, auch nicht durch unsere eigenen Zweifel an dem, was wir erfahren haben. Wer einmal gesehen hat, daß zwei Finger neben zwei andere Finger gehalten insgesamt vier Finger sind, der kann diese Erfahrung auch nicht mehr hintergehen, auch wenn gerade keine Finger sichtbar sind. Er wird an das einmal Erfahrene glauben und fest darauf vertrauen.
So kann es in Krisensituationen sein, wenn es Nichts scheint mehr zu geben scheint, was uns trägt oder wenn unsere (Selbst-)Zweifel alles in Frage stellen. In solchen Situationen braucht es eine Zeit lang das, was ich "dunklen Glauben" nenne.
Ich spüre dann zwar nichts und mir geht es nicht gut. Aber an das einmal Erfahrene kann ich trotzdem glauben, auf seine Realität vertrauen. Und das kann mich durchaus eine längere Zeit durch tragen.
Voraussetzung ist freilich, daß ich vorher eine Erfahrung gemacht habe, in dem Fall die Erfahrung, mit dem tragenden Urgrund allen Seins verbunden zu sein und davon getragen zu werden, so wie eine Leinwand alle Objekte eines Gemäldes trägt. Das ist natürlich etwas anderes als unser Gehirn begreifen kann, weil das Gehirn dafür nicht gemacht ist.
Um es am äußersten Fall, dem Tod, zu verdeutlichen:
Wir werden an Körper, Psyche und Verstand sterben, auf dieser Ebene, also für das, was unser Gehirn versteht, wird nichts bleiben, und da ist auch keine Auferstehung.
In den am weitesten entwickelten Schichten des Gehirns können wir aber bereits mehr erahnen: Alles ist in Ordnung so wie es ist, auch unser Schicksal, Leiden, Tod und sogar das Böse.
Das wird aber nur bewußt, wem geschenkt wird, die Funktionen des kleinen Ich zu übersteigen. Weil es unbewußt schon da ist, üben wir Stille-Meditation. Eine Erfahrung wie ein Schicksalsschlag oder das Erleben großer Schönheit oder Freude kann uns aber auch unseres kleinen Ego berauben (Luthers Begriff vom "raptus").
Ist die nicht logisch begreifbare und nicht technisch machbare Erfahrung tief genug, wird sie unhintergehbar. Dann können wir auch in Zeiten auf sie vertrauen, in denen wir davon gar nichts spüren, vor allem in Zeiten der eigenen Not.
Kriterium von dem allen ist wie gesagt: (Wie schnell) kommen wir aus Verzweiflung, Angst, Not und Versuchen, uns das Erfahrene aus zu reden, wieder heraus? Auch Jesus hat gemäß der Überlieferung am Kreuz gerufen "mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", aber später doch wieder gesagt "es ist vollbracht".
An sich ist diese Bewußtwerdung jedem von uns zugänglich, solange wir nur nicht meinen, wir könnten sie technisch herstellen und darüber verfügen. Denn das wäre ja wieder ein Versuch des Ich, auf der linear-logischen Ebene zu bleiben und am sterblichen Ego festzuhalten. Da wir dieses Paradox jedoch nicht verstehen, steht auch am Anfang des Weges erstmal der Glaube, vielleicht auf recht verstandene Heilige Schriften, das Vorbild oder die Identifikation mit anderen Menschen, die dies bezeugen, hin.

 
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