Monatslosung - meditation und wege

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Monatslosung

Monatslosung März 2019

"Wendet euer Herz wieder dem Herren zu und dient ihm".
Erstes Buch unter dem Pseudonym des Samuel, Kapitel 7, Vers 3, Bibel.


Das Herz dem Herren zuwenden - was ist das?
Was Luther mit "der Herr" als der höchsten Autorität einer patriarchalischen Gesellschaft übersetzt hat, da stehen in der hebräischen Bibel vier Buchstaben für den namenlosen, das heißt mit dem Verstand und der linearen Logik nicht erfaßbaren Urgrund allen Seins: JHWH. Dieses JHWH klingt hebräisch ausgesprochen wie ein Hauchen in dem Sinn: Der Urgrund allen Seins, das Sein an sich, der Name des Göttlichen lautet: "Namenlos".
Hier wird also dazu geraten dem "Namenlos", das jenseits von Verstehen und Nicht-Verstehen ist, sein Herz zuzuwenden.
Aber warum soll ich das tun und wie geht das?
In erster Linie geht es mal darum, meine Abhängigkeit oder gar Sucht nach allem zu überwinden, das nur Geschöpf ist und daher benennbar und verstehbar ist und einen Namen trägt. "Dem Herren dienen" will uns also frei machen!
Gründet euer Leben nicht auf Ansehen, Bestätigung durch andere, Macht und Geld, aber auch nicht auf die Rollen, die ihr im Leben spielt, zum Beispiel als Mann oder Frau, Mutter oder Vater, Angestellter oder Chef oder was auch immer. Gründet euer Leben also nicht in eurem fehlbaren und vergänglichen kleinen Ego. Sonst seid ihr Sklaven und Abhängige.
Gründet euer Leben vielmehr auf JHWH, dem namenlosen Einen! Das Eine, weil es nur einen Urgrund der Welt und nicht mehrere geben kann, höchstens je nach Kultur verschiedene Bilder dafür. Deshalb nennt der Islam den namenlosen Gott gleich "Allah", was nämlich "der Eine" heißt. Sein Leben nur auf den namenlosen Einen gründen, bedeutet, die Sucht nach dem Ego und des Ego nach seinen Suchtmitteln zu überwinden. Das bedeutet, Entzug machen wie es Jesus in der Wüste vor seinem Auftreten und wie es auch Mohammed getan haben. Siddharta Gautama hat seine Abhängigkeit von all den schönen Dingen als Königssohn erkannt und hat sich von allem zurückgezogen und auf den Weg gemacht.
Wenn wir in der Stille meditieren, machen wir auch Entzug, indem wir uns von unseren Gedanken, Gefühlen und Sinneseindrücken zurückziehen. Bekanntlich ist jeder Entzug mit Entzugserscheinungen verbunden. Wer also dem Rat der Losung folgen und frei werden will von seinen Abhängigkeiten von all dem, was nicht der eine Namenlose ist, der muß erst mal durch Entzugserscheinungen. Es ist am Anfang schwer auszuhalten, sein Leben auf nichts Greifbaren mehr zu gründen. Denn es bedeutet ja, sein Leben sogar nicht mehr auf das eigene kleine Ego zu gründen. Dabei wird einem nämlich bewußt, daß dieses kleine Ego pure Illusion ist! Und das macht Angst, ja man muß durch eine Phase des Grauens angesichts des scheinbaren Nichts hindurch - horror vacui, wie das in der christlichen Meditationslehre bis in die frühe Neuzeit hinein noch genannt wurde.
Doch es lohnt sich, stand zu halten. Denn allmählich oder bei manchen auch sehr plötzlich, kann bewußt werden, wer wir wirklich sind, wenn wir nur dem namenlosen Einen "dienen", das heißt wenn wir uns befreit haben. Dann sind wir unabhängig von den äußeren Umständen. Sollen sie uns doch ins Gefängnis werfen, auch dort sind wir frei. Und zugleich fühlen wir uns mit allem und jedem in Liebe verbunden, ist es doch der eine namenlose Urgrund, mit dem wir zuerst verbunden sind, der sich in uns und zugleich in allem und jedem ausformt. Wir spüren, wir sind ein einmaliges besonderes Wesen und wir sind zugleich der, die oder das andere.
Das ist der Rat, sein Herz dem Herren, JHWH zuzuwenden und nur "ihm" allein zu dienen. Die Mystiker, also die Meditierenden aller Zeiten, aller Religionen und Weltanschauungen wußten und wissen, daß es bei diesem "dienen" um innere Befreiung geht, die auch äußere Befreiung im Alltag nach sich zieht.

 
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