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Monatslosung

Monatslosung November 2018

“Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.”.
Buch der Offenbarung Kapital 21, Vers 2, Bibel


Das Buch “Offenbarung” oder “Apokalypse” ist das letzte Buch der Bibel mit ihren 66 Büchern. Insgesamt kann man meines Erachtens die Bibel in drei Teile einteilen. Sie beschreiben die drei Teile der Menschheitsgeschichte. Diese entsprechen den drei Teilen des Lebens eines jeden von uns. So wollen diese Texte uns helfen, sowohl unserem Leben als auch der Geschichte Sinn zu geben und nicht an uns vorbei zu leben.

Teil eins ist die Früh- und Vorgeschichte der Menschheit beziehungsweise die Phase unseres Lebens vor unserer Geburt:
Es besteht ein unmittelbares Eingebundensein in die Natur, symbolisiert in dem, was die Bibel “Garten Eden” oder “Paradies” nennt. Bewußtseinsgeschichtlich sprechen wir von der prä (vor)-personalen Stufe der Bewußtseinsentwicklung.

Teil zwei entsteht, wenn der Mensch voll zu Bewußtsein seiner selbst findet. Damit wird er sich seiner als von sich, von den Mitmenschen, von der Natur sowie vom Leben an sich - dem Göttlichen - abgetrenntes Wesen bewußt. Der Mensch entwickelt ein eigenes Ego, mit dem er sich identifiziert. Aber aufgrund dessen quält ihn jetzt die Angst vor der Einsamkeit, und das Thema Verantwortlichkeit und Schuld taucht auf. Er muß sich selbst aus eigener Kraft ernähren und im “Überlebenskampf” bestehen, so kommt es ihm vor.
Die Bibel beschreibt diese grundmenschliche Situation als “Vertriebensein aus dem Garten Eden”, in den es kein Zurück mehr gibt. Es handelt sich nicht um einen “Sündenfall”. Der Mensch ist nur insofern mit verantwortlich dafür, als er sich an die an sich positiv zu bewertende Errungenschaft des Ego klammert. Bewußtseinsgeschichtlich spricht man nun von der personalen Stufe der Bewußtseinsentwicklung.


Das ist der Hintergrund, auf dem Texte wie die Apokalypse entstehen konnten. Denn jetzt muß der Mensch das Gefühl von Abgetrenntsein und Angst kompensieren. Entweder er benebelt sein Bewußtsein und versucht so vergeblich auf präpersonale Ebene zurück zu kehren. Oder er wird gierig und klammert sich an etwas, durch das er sich wieder ein wenig eins mit der Welt fühlt. Er beutet sich selbst, die Mitmenschen, die Natur und seine infantile Gottesvorstellung aus bis an die Grenzen. Im Grunde entsteht so etwas wie eine Sucht auf Menschheitsebene.
Hierher gehören meines Erachtens Texte wie die “Apokalypsen” im letzten Teil der Bibel.

Apokalypsen sprechen in apokalyptischen, Bildern darüber, wie Gott endgültig Gericht über die Menschheit hält. Handelt es sich dabei aber wirklich um moralische Verurteilung in gute und böse, gehorsame und ungehorsame Menschen?

Aus der Sucht-Therapie ist bekannt, daß viele Süchtige nur nach einem völligen Zusammenbruch von Sucht geheilt werden können. So würden all die Katastrophen, die im Buch “Apokalypse” beschrieben sind, genau diesen Zusammenbruch auf menschheitsgeschichtslicher Ebene bildlich beschreiben. Das Buch will nicht mit dem moralischen Zeigefinger drohen und sagen: “ So bestraft dich Gott, wenn du...”. Sondern - in diesem Sinne verstanden wollen die schrecklichen apokalyptischen Bilder eher eine logische Folge aufzeigen: “Das passiert dir, wenn du so weitermachst”.
Wir sehen ja, was uns passiert, wenn wir zum Beispiel die Erderwärumg nicht stoppen. Oder was mit Jerusalem passiert, wenn die drei großen Schriftreligionen keinen Frieden schließen.
Und wenn wir die Erderwärmung nicht stoppen können, obwohl wir wissen, daß sie uns schadet, ist das ein Zeichen von Sucht. Dann muß es erst den Zusammenbruch geben, bevor ein Neuanfang möglich wird.
Oder es braucht eine weltweite Entziehungskur. Die Sucht, die Gier liegt nicht nur im einzelnen Menschen, sondern unter anderem im System des Kapitalismus und ebenso im Staatskapitalismus, der sich fälschlich einst auf Marx berufen hat.

Vereinzelt haben Menschen wie Jesus von Nazareth, Buddha und andere diese Zusammenhänge durchschaut. Aus ihnen kann einmal ein “neues Jerusalem” hervorgehen.
Bewußtseinsgeschichtlich wäre das eine neue, die transpersonale Bewußtseinsstufe. Der Mensch würde sich auf höherer Ebene wieder eins mit sich selbst, den Mitmenschen, der Natur und dem Sein an sich - dem Göttlichen - erleben. Das wäre eine höhere Ebene,höhere Form der “Einheit” weil er nun zwar Allverbundenheit spüren würde, aber zugleich sein Ego behielte. Das Ego wäre jetzt jedoch Werkzeug und würde nicht mehr an erster, sondern an zweiter Stelle stehen wie noch auf der personalen Stufe.
Auf dieser Entwicklungsstufe, der wir wohl nicht fern sind, sind wir bildlich
ausgedrückt “eins” oder “nicht-zwei” mit Gott wie Mann und Frau, darum vielleicht in unserem Vers das Bild von der “geschmückten Braut für ihren Mann”. Gott würde bei den Menschen wohnen “und abwischen alle Tränen von ihren Augen” (ein anderes Zitat aus dem Buch Apokalypse).
Das hieße: Der Mensch würde seine Allverbundenheit und seine von äußeren Bedingungen unabhängige innere Fülle spüren, wenn er seine Gier und Abhängigkeit überwände. Bis uns dies gelingt, zeigt sich, was uns droht in Träumen ab und an bildlich als Dämonen und als grauenhaftes Geschehen wie im Buch der Apokalypse, das aufgrund einer Vision entstanden ist. Dieses Buch will also eindringlich warnen und zugleich die große Verheißung vor Augen stellen, die uns allen gegeben ist.

 
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