Monatslosung - meditation und wege

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Monatslosung

Monatslosung Februar 2018

"Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, daß du es tust."

5. Buch unter dem Pseudonym Mose, Kapitel 30, Vers 14, Bibel.


Hier wird endlich mal klar deutlich, daß mit „Wort Gottes" eine Art innerer Stimme gemeint ist, die ganz tief in uns drin ist, tiefer noch als wir uns selbst sind. Vielleicht so eine Art „Daimonion", die innerste Stimme, von der Platon spricht, daß auf sie sich sein Lehrer Sokrates bezogen habe. Sokrates meinte ihr folgen zu müssen, sogar wenn er dafür hingerichtet wurde. Ich glaube, jeder hat so eine tiefste innere Stimme. Erich Fromm nennt sie das „humanistische Gewissen" im Gegensatz zu dem Gewissen, dem Über-Ich, das uns anerzogen wurde. Nur sind wir meistens nicht fähig, diese innere Stimme zu hören, weil wir zulassen, daß die Stimmen des Alltags, der anderen Menschen und die uns anerzogenen Stimmen sowie die Stimmen unserer in schlimmen Lebenserfahrungen entstandenen Ängste und Schutzmechanismen lauter sind. Sie sind nicht das „Wort Gottes", das „Daimonion" des Sokrates oder das „humanistische Gewissen" des Erich Fromm. Diese anderen Stimmen können uns sogar geradewegs ins Verderben führen.
Dann gibt es noch die Stimmen in vielen Menschen, die sie angesichts der Unübersichtlichkeit, Schnelllebigkeit und Orientierungslosigkeit der heutigen Gesellschaft in den Fundamentalismus fliehen lassen, weil sie dort von außen gesagt bekommen, was gut oder böse ist. Dabei geraten sie zurück in das „Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen", also zurück hinter die Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit" (Kant).
Wichtig ist darum der Ratschlag, den die alten Römer formuliert haben und den sich der Kabarettist Urban Priol auf dem Bundestag in Berlin geschrieben wünscht anstatt des „Dem deutschen Volke": Sapere aude: Riskiere es, weise zu sein, also eben „dich deiner Vernunft ohne Leitung eines anderen zu bedienen".
Wie aber nun gegen all die genannten anderen Stimmen ankommen?
Es bleibt meines Erachtens nur eines, nämlich ihnen nicht folgen, wenn sie immer wieder auftauchen. Und das, also Meditation üben. Abstellen kann man die Gedanken nicht. Das ist auch nicht nötig. Aber wir brauchen sie nicht weiter zu denken. Dann werden wir leer und können immer deutlicher die Stimme unseres „humanistischen Gewissens", die „Stimme Gottes" oder des „Daimonion" „wahrnehmen", die ich mich wage, hier nun mal gleich zu setzen. Wer dies nicht tut, wird übrigens dadurch früher oder später krank werden. Denn das ständige Vorbeileben an sich selbst, die Lebenslüge wird somatisieren, sich körperlich in einer Krankheit ausdrücken. Sie können schon im Spüren auf Ihren Leib in der Stille die „Stimme" oder das „Wort Gottes" wahrnehmen. Aber es braucht dazu wie gesagt der Stille.
Lassen wir uns darum nicht ständig drängen und antreiben, bleiben wir bei uns selbst und haben wir den Mut, vor der Orientierungslosigkeit nicht zu fliehen. Dann werden wir tief uns selbst Orientierung geschenkt bekommen. Diese können wir uns nicht selbst machen. Sie ist unserem Ich-Bewußtsein vorgegeben, weil sie tief von innen kommt. Auf diese tiefste innere Stimme können sich unsere Kompassnadeln wieder ausrichten und uns zeigen, wie zu handeln ist. Man nennt das auch „geschulte Intuition für den Augenblick". Diese ist etwas anderes als Orientierung an starren Systemen von Werten oder Geboten. Gottes Stimme spricht jetzt zu uns, in diesem einen Augenblick, und wir können sie wahrnehmen in der Stille jenseits unserer Gedanken und jenseits von unserem angelernten und durch schlechte Erfahrungen entstandenen Pseudogewissen.
Da ist alles, was wir brauchen. Darum „trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles sonst zufallen", worum ihr euch jetzt sorgt (nach Matthäus-Evangelium 6, 33).

 
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