Monatslosung - meditation und wege

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Monatslosung

Monatslosung Januar 2019

“Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken;
der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde”.

1. Buch der Bibel, Kapitel 9, Vers 13


Der hier gemeinte Bogen ist der Regenbogen. Die Menschen im alten Orient vor mindestens ca. 2000 Jahren oder auch sehr viel früher empfanden den Regenbogen als Zeichen des Friedens nach der großen Flut, die vielleicht wirklich stattgefunden hat. Sie könnte mitunter durch einen Meteoriteneinschlag aus dem Weltall, nach dem eine Flutwelle mehrfach um die Erde ging, ausgelöst worden sein. Genau wissen wir es nicht. Es könnte auch einfach das Leben in oder am Rand der Wüste sein, das regelmäßigen Regen als Friedenszeichen hat empfinden lassen. Wie gesagt, genau wissen wir es nicht. Wir kennen nur die Gefühle der damaligen Menschen, die sich in solchen bildlichen Geschichten wie die von der Sintflut und einem anschließenden Bund zwischen Gott und den Menschen niedergeschlagen haben. So will diese Erzählung sagen, daß wir trotz aller kosmischen Bedrohung unseres Planeten im Universum doch auf das Leben vertrauen können. Daran können wir uns von jedem Regenbogen erinnern lassen.
Die Erde ist trotzdem vom Weltraum aus bedroht und wird eines Tages zerstört werden, spätestens wenn die Sonne ihren Brennstoff verbraucht hat und explodiert. Vielleicht aber auch morgen schon durch den Einschlag eines Gesteinsbrockens aus dem Weltall.
Trotzdem können wir vertrauen und brauchen nicht in Angst zu leben. Sterben werden wir sowieso. Dies anzunehmen und sich nicht dagegen zu wehren ist schwer. Denn unsere Biologie ist so ausgerichtet, daß wir die Welt erstmal nur aus der Perspektive unseres kleinen, sterblichen und fehlbaren Egos erleben und uns nur mit diesem identifizieren. Solange wir uns nicht darüber hinaus entwickeln, erscheint die Bedrohung durch den Tod - und sei es durch eine Naturkatastrophe - absolut schrecklich und wir können das nicht annehmen.
Nun sind wir aber wie es scheint in unserer Entwicklung bereits dabei, diese Ego-zentrierte Erlebnisweise zu überwinden. Das zeigt sich ansatzweise schon in der Erzählung vom Bund zwischen Gott und Erde. Wir haben alle das Potential, die Ego-zentrierte Erlebnisweise zu übersteigen und die Welt
gleichsam aus der Verbundenheit mit dem Ganzen und seinem Urgrund, der ihm erst seine Existenz verleiht –dem Göttlichen - zu erleben.
Mag sein, ein Regenbogen hat Menschen zu dieser Erfahrung inspiriert:
Denn wir wissen inzwischen, daß Naturerfahrung Solches auslösen kann (der sogenannte Biophilia-Effekt).
In der Natur fühlen wir uns nämlich erstens von der linearen Logik der Menschenzivilisation weg. Zweitens fühlen wir uns daher nicht mehr bewertet, sodaß das Gefühl unbedingten Angenommenseins entstehen kann. Und drittens können uns gerade Naturerscheinungen wie ein Regenbogen so faszinieren und daher wach und achtsam machen, daß wir offen werden dafür, uns von ihnen inspirieren zu lassen und Antwort auf lange gehegte Fragen zu finden. Hier ist es der Regenbogen, der Menschen vielleicht inspiriert hat, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob wir angesichts der Sterblichkeit und Fehlbarkeit unseres kleinen Egos verloren sind. Die Antwort ist eine erste Ahnung unserer Verbundenheit mit dem Urgrund allen Seins, aus dem wir offenbar auch im Tod nicht herausfallen können. Auf jeden Fall die Antwort, daß wir vertrauen können und unbedingt angenommen sind.
Mir geht es manchmal wirklich so, daß ich mir den Regenbogen symbolisch als Zeichen des Friedens zwischen Gott, dem “Sein an sich”, der Erde, also auch mit mir vorstellen kann.
Wenn Sie versuchen, so in die Natur hinaus zu gehen, daß Sie sich nicht mehr bestimmt fühlen von der Menschenzivilisation und ihrer linearen Logik, können Sie vielleicht auch die Erfahrung machen: Der Urgrund des Lebens - das Göttliche - ist nur jenseits der linearen Logik erfahrbar. Denn ER liegt jenseits von Verstehen und Nicht-Verstehen, die unser Gehirn aus evolutionsbestimmten Gründen leiten. Aber wir - auch Sie - haben das Potential in uns, uns des “Göttlichen” in sogenannten “mystischen” Erfahrungen bewußt zu werden. Sonst gäbe es solche Erzählungen wie diese nicht, aus der die Losung für diesen Monat stammt. Auf jeden Fall kann sie uns vielleicht dabei helfen, auf die Wahrheit vertrauen zu können, daß wir unbedingt angenommen sind, wer immer wir sind, was immer wir getan haben und welcher Kultur oder Religion auch immer wir angehören. Es ist schließlich ein Bund mit der Erde und nicht nur mit einer bestimmten Menschengruppe.

 
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